Jede Reitstunde individuell gestalten: 8 Tipps für deine gelungene Trainingseinheit

Klassischer Aufbau einer Reitstunde

Wie eine Reitstunde im klassischen Sinne aufgebaut sein sollte, weiß wohl jeder von uns. Laut Lehrbuch besteht eine Trainingseinheit immer aus Aufwärm- bzw. Lösephase, Arbeitsphase und Entspannungsphase.

Je nach Bedarf kann der Schwerpunkt auf der lösenden Arbeit zu Beginn der Einheit oder auf der Arbeitsphase in der Mitte der Einheit liegen. Die Abwärm- und Entspannungsphase, in der das Pferd mit Puls und Atmung wieder zur Ruhefrequenz zurückkehrt, sollte niemals fehlen.

Aber was kommt denn eigentlich in den einzelnen Phasen genau vor? Mit welchen Übungen füllst du sie konkret?

Im Reitunterricht entscheidet das oft hauptsächlich der Reitlehrer zusammen mit dir und deinem Pferd. Aber wenn du alleine reitest, musst du selbst einen Plan haben, um nicht Runde um Runde ziellos im Kreis zu reiten.

Aber wie findest du nun das Thema für die Reitstunde? Welche Faktoren spielen für die Themenwahl eine Rolle? Und wie behältst du während des Reitens den Überblick?

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Häufig passiert es, dass wir Reiter unterwegs irgendwie den Faden verlieren. Wir sind mit einem gewissen Plan aufs Pferd gestiegen, haben angefangen zu arbeiten und uns dann irgendwo zwischen Bahnfiguren, Idealvorstellungen und den anderen Reitern in der Bahn verloren.

Wir haben unser Ziel nicht mehr klar im Blick und vielleicht sogar vergessen, worauf wir eigentlich unseren Fokus hatten legen wollen.

Manchmal kommt einem auch ein unerwartetes „Problem“ in die Quere. Irgendetwas funktioniert nicht wie erwartet, wir geraten aus der Spur und haben zunächst vielleicht keine Ahnung, warum diese eine Übung heute einfach nicht klappt.

Im Folgenden geht es nicht um einen übergreifenden, längerfristigen Trainingsplan für dein Freizeitpferd, sondern darum, wie du eine einzelne Trainingseinheit mit deinem Pferd individuell und planvoll gestaltest.

Dazu habe ich dir einen Leitfaden erstellt, der dir hilft, deine Reitstunde sinnvoll aufzubauen und während des Reitens deinen roten Faden im Blick zu behalten.

In diesem Artikel erkläre ich dir,

  • wie du dein Thema für die Trainingseinheit findest,
  • wie du die Reitstunde mit deinem Pferd individuell und sinnvoll aufbaust,
  • wie du den Überblick behältst und den roten Faden nicht verlierst und
  • wie du deine selbst gesteckten Ziele für die Einheit auch erreichst.

8 Tipps zum individuellen Aufbau einer Reitstunde

Bevor du zu deinem Pferd kommst, machst du dir am besten schon mal Gedanken darüber, was du heute mit deinem Pferd machen möchtest. Ich nutze dazu meist den Weg zum Stall und überlege, welche Art von Training – Bodenarbeit, Longieren, Handarbeit, Reiten, Gelände, …- heute gut passen würde.

Ich stimme mich innerlich auf mein Pferd ein und spüre dann meist auch schon, in welcher mentalen Form ich bin und welche Art von Training mir persönlich in diesem Gemütszustand am meisten liegt.

1. Verfassung

Die Frage der Verfassung betrifft natürlich nicht nur dich, sondern auch dein Pferd. Überprüfe am Stall also ganz unvoreingenommen, in welcher mentalen und körperlichen Verfassung sich dein Pferd befindet.

Das kann von seiner aktuellen Tagesform, der Uhrzeit, dem Wetter, der Situation in der Herde und vielen weiteren Faktoren abhängen und kann großen Einfluss auf seine Leistungsbereitschaft und -fähigkeit haben.

Frage dich immer: Was kannst du heute mental und körperlich leisten und was kann dein Pferd heute mental und körperlich leisten?

2. Bedingungen

Anschließend schaust du, welche Bedingungen ihr heute zum Trainieren vorfindet:

Wie sind die Wetterverhältnisse? Ist es nass oder trocken? Windig, kalt oder heiß? Wie sind entsprechend die Bodenverhältnisse draußen? Ist dein Pferd in der Sattellage nass und matschig? Wie voll ist die Reithalle? Habt ihr Tageslicht? Müsst ihr auf den Longierzirkel ausweichen oder könnt ihr ins Gelände gehen? Und so weiter …

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Bei gutem Wetter kannst du wunderbar draußen mit deinem Pferd arbeiten

3. Thema

Unter Berücksichtigung aller nun bekannten Faktoren kannst du jetzt entscheiden, woran du mit deinem Pferd arbeiten und in welcher Form du das tun möchtest.

Willst du an der Schenkelakzeptanz arbeiten? Die Schulterkontrolle verbessern? An eurer Kommunikation am Boden arbeiten? Dein Pferd an einen neuen Reiz im Gelände gewöhnen? Es gibt unendlich viele Themen! So viel ist klar.

Die wichtigste Frage für dich: Welche Art von Training passt für euch beide am heutigen Tag am besten?

Vielleicht passt auch gar kein Training und ihr verbringt einfach nur etwas schöne Zeit miteinander?

4. Ziel

Bevor du jetzt mit dem eigentlichen Training beginnst, solltest du dir im Klaren darüber sein, was dein Ziel für diese Einheit mit deinem Pferd ist. Du musst ein klares Bild dessen im Kopf haben, was du erreichen möchtest und für welche Teilschritte und welches Endergebnis du dein Pferd konkret belohnen willst.

Nur wenn du das in deinem Kopf klar definiert hast, hast du wirklich einen Fokus, dem auch dein Pferd folgen kann.

Dieses innere Bild kann das gewünschte Endergebnis darstellen oder aber kleine Teilschritte auf dem Weg zum Ziel verdeutlichen. Manchmal suchst du vielleicht nur nach einem ganz bestimmten Gefühl in der Bewegung mit deinem Pferd, anstatt nach einer perfekt ausgeführten Lektion.

Setz dir erreichbare Ziele!

Oft setzen wir uns Ziele, die innerhalb einer Einheit gar nicht reell zu erreichen sind. Dadurch entsteht Frust und wir verlieren die Wertschätzung für die vielen, kleinen, positiven Dinge, die unser Pferd uns gibt.

5. Flexibilität

Trotz Struktur und rotem Faden müssen wir beim Reiten natürlich flexibel bleiben und auf Veränderungen im Pferd oder in unserem Zusammenspiel reagieren können.

Ich nehme mir für eine Reitstunde oft ein übergreifendes Thema vor. Während ich dann beginne mich und mein Pferd unter dem Sattel auf dieses Thema vorzubereiten, kann es sein, dass mir etwas auffällt, was sich gerade nicht gut anfühlt.

Ein Beispiel: Nimmt mein Pferd den treibenden Schenkel in der Lösungsphase nicht gut an, reagiere ich natürlich auf das, was ich gerade fühle und versuche, meinem Pferd wieder mehr ins Vorwärts zu helfen. Starr an meinem eigentlichen Thema für die Stunde festzuhalten, macht dann wenig Sinn.

Erst wenn mein Pferd den treibenden Schenkel wieder gut annimmt, lege ich den Fokus wieder auf mein ursprüngliches Thema. Eine gewisse Flexibilität und Achtsamkeit solltest du dir auf oder am Pferd immer bewahren.

6. Schwierigkeiten

Jetzt kann es natürlich sein, dass während der Reitstunde Schwierigkeiten auftreten und dein Pferd und du das Geplante nicht so umsetzen könnt, wie gedacht. Oft ist das der Punkt, an dem wir den Faden verlieren, weil wir keinen Plan B haben und nicht wissen, wie wir mit den unerwarteten Problemen umgehen sollen.

Hier kommt mein ultimativer Tipp:

Anhalten, durchatmen und nachdenken!

Ja, so einfach. Denn Weiterreiten hilft in dem Moment erstmal überhaupt nicht. Du musst dir des aufgetretenen Problems bewusst werden, es in allen Details wahrnehmen und dir dann Zeit nehmen, es zu analysieren, die möglichen Ursachen herauszufinden und dir einen Plan zum Weiterarbeiten zurechtlegen.

Diese Fragen kannst du dir stellen:

  • Woran könnte es gelegen haben?
  • Kann ich die Übung noch einfacher machen?
  • Kann ich die Übung in weitere Einzelteile zerlegen?
  • Wie kann ich einzelne Teilschritte üben, um später wieder alles zusammenzufügen?
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Wenn Schwierigkeiten im Training auftreten, erstmal durchatmen und neu sortieren.

Unsere Pferde danken es uns sehr, wenn wir ehrlich und ganz in Ruhe versuchen den Fehler zu finden, um dann mit System und Plan und in aller Ruhe daran zu arbeiten. Mit „drüber weg reiten“ ist es (besonders langfristig) meist nicht getan.

Arbeit mit Pferden ist eben oft Köpfchensache.

7. Fortschritt

Ein weiterer wichtiger Punkt, um den Überblick zu behalten, ist dieser: Du musst euren Fortschritt wahrnehmen.

Kommt ihr voran? Klappen die Übungen, die du dir vorgenommen hast? Verbessert ihr euch während der Einheit?

Dann lob dein Pferd und gib ihm eine Pause.

Hier kommt deine Zielsetzung wieder ins Spiel: Um die Entwicklung innerhalb der Trainingseinheit richtig einschätzen und beurteilen zu können, ist dein klares, inneres Bild wichtig. Du musst wissen, wonach du suchst, um dein Pferd im richtigen Moment belohnen zu können und ihm damit zu bestätigen, dass es auf dem richtigen Weg ist.

8. Ergebnis

Wenn du denkst, das bestmögliche Ergebnis für diesen Tag erreicht zu haben, beende die Trainingseinheit, steige ab und freue dich.

Man soll ja bekanntlich aufhören, wenn es am Schönsten ist und das trifft auf die Arbeit mit Pferden in vielerlei Hinsicht auch zu. Egal ob es um das Erreichen kleinster Teilerfolge oder das Erlernen neuer Lektionen geht.

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Für mein Pferd ist eine Dusche an heißen Tagen eine große Belohnung

Du willst dein Pferd ja motiviert halten und es soll immer mit einem positiven Eindruck aus der Reitstunde kommen. Mach also nicht weiter, bis dein Pferd sich aus purer Ermüdung wieder verschlechtert, bloß weil es ja gerade so schön läuft. Das ist die falsche Idee.

Du weißt am besten, was dein Pferd nach getaner Arbeit als größtes Lob empfindet: Absatteln und wälzen? Spazieren im Gelände? Grasen lassen? Zurück zur Herde?

Wichtig!

Dass du deine Arbeitsphase beendest, heißt natürlich nicht, dass du die Entspannungsphase außer Acht lassen solltest.

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Fazit

So meditativ und schön es ist, sich beim Reiten im Flow zu befinden und sich ganz im Moment zu verlieren, so wichtig ist es auch, mit Plan vorzugehen und das Pferdetraining innerhalb der Reitstunde individuell und sinnvoll aufzubauen.

Mit ein bisschen mentaler Vorbereitung und einem Leitfaden im Kopf kannst du deine Reitstunde individuell und sinnvoll aufbauen. Denn du bist der Trainer deines Pferdes und verantwortlich für die Harmonie in deiner Reitstunde und den Erfolg deiner Trainingseinheit.

Wie geht es dir, wenn du dein Pferd alleine arbeitest? Fällt es dir leicht, den Überblick zu behalten oder verlierst du manchmal auch dein Ziel aus den Augen?

Scroll gerne nach unten und schreib mir einen Kommentar 🙂

Auf’s Pferd aufsteigen in aller Ruhe: Wie du dein Pferd an der Aufstiegshilfe einparkst (und es dort stillsteht!)

Aufs eigene Pferd aufsteigen

Eigentlich einfach, oder nicht?

Ich muss immer ein bisschen Schmunzeln, wenn ich sehe, wie Pferde sich mit ihren im Aufsteigen begriffenen Menschen über den Platz manövrieren und es mit unglaublich sicherem Timing jedes Mal schaffen, sich genau in der Sekunde wegzubewegen, in der der Reiter seinen Fuß in den Steigbügel setzen will.

Weniger lustig, eher unverständlich, finde ich es dagegen, wenn Pferde von ein bis zwei Personen am Boden festgehalten werden müssen, damit der Reiter überhaupt aufsitzen kann.

Wenn Pferd und Reiter nicht in der Lage sind diese Aufgabe zu zweit zu meistern, dann hat Reiten in dieser Beziehung momentan für mein Empfinden auch nichts zu suchen.

Dann heißt es, back to basics und erstmal am Boden an einer funktionierenden Verständigung und einer echten Verbindung arbeiten, damit das Aufsteigen später kein Thema mehr ist.

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Wenn ein Pferd seinen Reiter nicht aufsteigen lässt, ist das ein klares Signal und kann sogar auf Unbehagen oder Schmerzen beim Aufsitzen oder Reiten hindeuten. Mögliche Ursachen, wie z. B. ein unpassender Sattel, müssen daher unbedingt abgeklärt werden!

Im Grunde ist es ganz einfach dem Pferd beizubringen, an einer Aufstiegshilfe einzuparken und stehen zu bleiben, bis der Reiter im Sattel Platz genommen hat. Deshalb wundere ich mich auch immer, warum manche Reiter es sich so unnötig schwer machen!

Aber einfach ist etwas eben nur, wenn man weiß, wie es gehen kann! Und das sogar ohne ständiges Futterlob 😉

Und genau das erkläre ich dir jetzt.

In diesem Artikel erfährst du

  • welche Vorübungen du machen solltest,
  • wie du das Einparken an der Aufstiegshilfe Schritt für Schritt übst,
  • wie dein Pferd lernt, zu warten
  • und wie du zur Not auch mal ohne Aufstiegshilfe aufsteigen kannst, ohne dein Pferd zu stark zu belasten.

Entspanntes Aufsteigen mit und ohne Aufstiegshilfe muss also ab jetzt absolut kein langfristiges Problemthema mehr für dich und dein Pferd sein. 🙂

Schritt für Schritt zum entspannten Aufsteigen

Beim Einparken an einer Aufstiegshilfe muss dein Pferd an dich herantreten, anstatt – wie bei den meisten Übungen – vor dir zu weichen. Das muss dein Pferd zunächst einmal verstehen und sich auch trauen zu tun.

Pferde, die sehr höflich sind und lieber einen größeren Abstand zwischen sich und dem Menschen haben, finden das am Anfang schwierig.

Eher büffelige Pferde mit wenig Individualabstand können dagegen beim Ansaugen – so nenne ich die Übungen, bei denen das Pferd auf den Menschen zukommt – über das Ziel hinausschießen und den Menschen anrempeln.

Stelle also sicher, dass eine gewisse Grunderziehung schon vorhanden ist, damit dein Pferd dir nicht unnötig auf die Füße tritt. Denn das ist natürlich auch beim Ansaugen nicht Ziel der Übung.

Merke!

Ansaugen = Alle Übungen, bei denen das Pferd in Richtung des Menschen weicht.

Ansaugen an der Bande

Zur Vorbereitung aufs Einparken stellst du dein Pferd auf den Hufschlag parallel zur Bande und positionierst dich frontal vor seinem Kopf. Jetzt nimmst du dein Pferd am Halfter und drückst seine Nase leicht Richtung Bande, sodass es nach außen gestellt ist.

In der anderen Hand hältst du die Gerte und tippst den äußeren Hüfthöcker deines Pferdes an, bis es mit der Hinterhand einen Schritt nach innen kommt. Dann lobst du es ausgiebig und wiederholst die Übung, bis dein Pferd dich gut versteht.

Dein Pferd sollte dich dabei nicht aus dem Weg drängeln, sondern nur die Hinterhand bewegen!

Tipp Körpersprache!

Nutze zusätzlich zur Gerte auch deine Körpersprache und lehne dich zurück, während du über die Kruppe hinwegschaust. Stell dir vor, deine Schultern saugen die Kruppe deines Pferdes an.

Wenn dein Pferd sehr groß ist oder zu viel Vorwärtstendenz in dieser Übung hat, kannst du die Gerte oder den Stick auch unter dem Pferdehals hindurch auf die gegenüberliegende Seite bringen und dein Pferd dort touchieren.

Du kannst die Übung natürlich von beiden Seiten machen! Die meisten Pferde fühlen sich allerdings auf der linken Hand zu Beginn wesentlich wohler als auf der rechten Hand.

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Ansaugen = In Richtung Mensch weichen, hier im Seitwärts ohne Bande

Einparken mit Hocker

Wenn das Ansaugen an der Bande gut funktioniert, stellst du dich auf einen Hocker an der Bande und wiederholst die Übung. Für manche Pferde macht es einen großen Unterschied, ob der Mensch erhöht oder auf dem Boden steht. Übe wieder, bis dein Pferd dich gut versteht, sich wohlfühlt und auf leichte Hilfen mit der Hinterhand herumtritt.

Frage so lange weiter, bis dein Pferd neben deinem Hocker steht und lobe es ausgiebig, indem du es kraulst und abstreichst. Von der Ausgangsposition an der Bande bis zur Parkposition am Hocker hat es nun eine 180° Drehung gemacht.

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Mit Hilfe der Bande übst du, dein Pferd an eine Aufstiegshilfe herantreten zu lassen

Noch ein Tipp: Wenn dein Pferd eingeparkt hat, steige vom Hocker und führe eine Runde als Dankeschön. Dann steigst du wieder auf den Hocker und saugst dein Pferd erneut an, bis es in der richtigen Position steht.

So lernt dein Pferd, dass deine erhöhte Position immer „herankommen“ und nicht „weggehen“ heißt.

Einparken mit Aufstiegshilfe

Wenn du am Stall eine fest installierte Aufstiegshilfe hast, kannst du jetzt dort üben. Nutzt du weiter den Hocker, übe an verschiedenen Stellen auf dem Platz oder auf dem Hof und gewöhne dein Pferd daran, die Übung auch ohne Bande auszuführen.

Ohne Anlehnung an der Bande verlieren Pferde manchmal die Orientierung und weichen mit der Hinterhand von uns weg, anstatt heranzukommen. Achte dann besonders auf die Stellung!

Die Pferdenase muss von dir wegschauen, damit die Hinterhand herankommen kann. Tippe solange mit der Gerte, bis dein Pferd wieder einen Schritt in die richtige Richtung macht und belohne es dann.

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Einparken an einer Aufstiegshilfe ohne Anlehnung an der Bande

Diese Übung ist am Anfang echter Denksport für die Pferde. Also lass dir Zeit und mach alles ganz in Ruhe.

Wenn dein Pferd neben dir still steht, belohne es! Der Schwerpunkt liegt auf dem Stillstehen und Kraulen, nicht auf dem Aufsteigen.

Auf- und Absteigen üben

Steht dein Pferd wirklich wie eine Statue neben der Aufstiegshilfe und hat diesen Platz als richtigen Wohlfühlort für sich abgespeichert, übst du das Aufsteigen. Auch das machst du Schritt für Schritt.

Du setzt also den Fuß in den Bügel und wenn es stehen bleibt, kraulst dein Pferd weiter und nimmst zur Belohnung den Fuß wieder aus dem Bügel heraus. So arbeitest du dich kleinschrittig vor, bis du dich ganz in Ruhe in den Sattel setzen kannst.

Anstatt loszureiten, kraulst und lobst du weiter und steigst dann einfach wieder ab. Dann gehst du wieder eine Runde führen, parkst dein Pferd dann wieder ein und so weiter. Dein Pferd soll das Ganze am besten richtig langweilig finden.

Warten üben

Wenn deinem Pferd die Geduld zum Warten fehlt und es nach dem Aufsitzen gern direkt losgeht, musst du ihm helfen, die Spannung abzubauen bzw. ihm das Stehenbleiben schmackhaft machen.

Option 1: Du kannst es losgehen lassen und nach einigen Schritten eine Vorhandwendung, ein Seitwärts oder eine andere anstrengende Übung, die Nachgiebigkeit erfordert, abfragen. Im Anschluss reitest du es wieder an die Aufstiegshilfe heran und machst dort wieder Pause.

Option 2: Manchen ungeduldigen Pferden hilft an dieser Stelle auch ein Leckerli. Wenn sie wissen, dass vor dem Losgehen auf jeden Fall noch ein Keks von oben kommt, bleiben sie geduldiger stehen und warten länger ab.

Du kennst dein Pferd am besten. Also entscheide, welche Option euch besser hilft.

Verschiedene Aufstiegshilfen

Um das entspannte Aufsteigen zu festigen, übst du jetzt in verschiedenen Situationen und an unterschiedlichen Orten. Zum Beispiel also auch im Gelände, wenn sich eine passende Aufstiegshilfe, wie ein Baumstamm oder ein großer Stein, bietet.

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Nutze verschiedenste Aufstiegshilfen, um das Einparken zu üben

Je ungewohnter die Umgebung bzw. je angespannter dein Pferd, desto schwieriger wird das Einparken, Stehenbleiben und Aufsteigen werden. Lass dir hier unbedingt viel Zeit, arbeite kleinschrittig und belohne dein Pferd auch für kleine Fortschritte, auch wenn es die Übung ja eigentlich schon als Ganzes beherrscht.

Aufsteigen ohne Aufstiegshilfe

Dass Aufstiegshilfen den Pferderücken schonen, brauchen wir nicht zu diskutieren. Aber es kann natürlich in bestimmten Situationen auch einmal nötig sein, ohne Aufstiegshilfe aufzusitzen. Um das möglichst pferdeschonend zu tun, habe ich hier noch ein paar Tipps:

  1. Wenn möglich, z. B. durch unebenen Boden, positioniere dich so, dass du etwas höher stehst, als dein Pferd.
  2. Setze den Fuß vorsichtig in den Bügel, damit du deinem Pferd nicht an Bauch oder Ellenbogen wehtust.
  3. Der Sattel muss fest genug gegurtet sein, wenn du niemanden zum Gegenhalten hast.
  4. Greife zum Aufsitzen lieber in die Mähne, als an Vorderzwiesel, Horn, Kranz oder Cantle. Am Sattel hast du eine deutlich höhere Hebelwirkung auf die Dornfortsätze der Wirbelsäule als das am Mähnenkamm der Fall ist.
  5. Bring deine Hüfte so schnell wie möglich dicht über das Pferd.
  6. Balancier dich aus und setze dich vorsichtig in den Sattel.
  7. Steige von beiden Seiten abwechselnd auf! Kannst du nicht? Unbedingt üben!
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Du solltest zur Not auch vom Boden aufsteigen können, und zwar von beiden Seiten!

Probleme beim Aufsteigen

Bleibt dein Pferd beim Aufsteigen ohne Aufstiegshilfe nicht stehen, hinterfrage den Grund dafür. Ist es ihm unangenehm? Kommt es extrem aus der Balance? Rutscht der Sattel? Ist das Aufsitzen eventuell sogar schmerzhaft für dein Pferd?

Diese Ursachen musst du erkennen und darauf entsprechend reagieren! Alles andere wäre unfair und nicht gerade förderlich für eure Beziehung!

Manchmal haben Pferde aber auch trotz gut sitzender Sättel und leichter, gut koordinierter Reiter gelernt, dass sie den Menschen mit kleinen Ausweichbewegungen im richtigen Moment sehr effektiv vom Aufsitzen abhalten können und so noch etwas länger Pause vor der Arbeit haben.

(Hier muss ich immer Schmunzeln, denn die Pferde sind wahnsinnig effektiv in ihrem Handeln und der Mensch meist ziemlich ratlos.)

Ist das der Fall, müssen wir das Pferd wieder „umtrainieren“ und ihm zeigen, dass es schöner ist, den Reiter aufsitzen zu lassen, als sich ihm durch Ausweichen zu entziehen.

Meist haben wir Menschen dieses unerwünschte Verhalten des Pferdes sogar noch verstärkt, indem wir unbewusst immer im falschen Moment die Pause (also Belohnung) gegeben haben.

Das kannst du dir so vorstellen:

  • Mensch setzt den Fuß in den Bügel, Pferd weicht zur Seite, Mensch bricht das Aufsitzen ab, stellt den Fuß wieder auf den Boden, sortiert sich neu, ergo Pause fürs Pferd!

Oder:

  • Mensch begibt sich in Vorbereitung aufs Aufsitzen neben das Pferd, Pferd weicht rückwärts aus, Mensch gelangt gar nicht erst an die Sattellage, bricht ab, führt Pferd wieder vorwärts, sortiert sich neu, ergo Pause fürs Pferd!

Ist dein Pferd so ein kleiner Schlaumeier, lass dich von ihm nicht aus dem Konzept bringen. Bleib dran an deinem Vorhaben.

Wenn es rückwärts ausweicht, beweg dich einfach passiv und freundlich mit ihm mit, bis es stehenbleibt und lobe es dann. So zeigst du ihm, dass du freundlich aber bestimmt dranbleibst und es dich (durch sein Ausweichen) nicht loswird.

Im Gegenzug solltest du seine Annahme, dass du dich nun gleich schnellstmöglich in den Sattel schwingen willst, nicht direkt bestätigen, sondern dir erstmal Zeit für Lob und Pause nehmen.

Das Gleiche gilt, wenn dein Pferd sich entzieht, sobald du den Fuß im Steigbügel hast. Versuch den Fuß im Bügel zu lassen und beweg dich mit deinem Pferd mit – eben hüpfend auf einem Bein – während du es bittest, wieder stehen zu bleiben. Sowie es steht, Fuß aus dem Bügel nehmen und loben. (Ja, für diese Übung musst du ziemlich gelenkig und sportlich sein. ;-))

Bleibt dein Pferd irgendwann stehen, lobst du es, nimmst den Fuß aus dem Bügel und ihr entspannt euch beide bei einer kleinen Pause.

Ich habe noch kein Pferd kennengelernt, das nicht nach kurzer Zeit sein Programm geändert und das Ausweichen durch Stehenbleiben ersetzt hat.

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Fazit

Es gibt wirklich keinen Grund, mit dem Hocker hinter deinem Pferd herzulaufen oder drei Leute zum Festhalten des Pferdes zu benötigen, bloß um aufs Pferd Aufsteigen zu können.

Jedes Pferd kann lernen, an der Aufstiegshilfe einzuparken und dort zu warten. Für mich gehört das zur absoluten Grundausbildung am Boden dazu.

Aufsteigen in aller Ruhe ist entspannter für dich und dein Pferd und gesünder für den Pferderücken ist es allemal. Nicht zuletzt ist es eine sehr wichtige Übung, um junge Pferde auf das Reiten vorzubereiten und ein wichtiger Prüfstein, ob das Pferd überhaupt bereit ist, einen Reiter aufsitzen zu lassen.

Grundvoraussetzung für das Einparken ist, dass dein Pferd gelernt hat in deine Richtung zu weichen und mit der Hinterhand auf dich zuzukommen. Hat es das verstanden, kannst du das Ansaugen von einer erhöhten Position üben.

Anschließend übst du an verschiedenen Orten und mit unterschiedlichen Aufstiegshilfen.

Beim Aufsitzen und Absteigen lässt du dir viel Zeit, damit dein Pferd lernt, zu warten.

Und auch das Aufsteigen ohne Aufstiegshilfe solltest du üben, damit es möglichst schonend ist und pferderückenfreundlich klappt. Wenn du ein paar Regeln beachtest, meisterst du auch diese Aufgabe mit deinem Pferd.

So oder so, Probleme beim Aufsteigen müssen nicht sein und lassen sich mit gezielter Übung und ein bisschen Zeit in den allermeisten Fällen ganz einfach lösen.

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